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AWO fordert Stopp der Abschiebungen nach Afghanistan

09.05.2017
Anlässlich der diesjährigen Jahrestagung der AWO Flüchtlingssozialarbeit bekräftigten die Teilnehmenden ihr Nein zu weiteren Zwangsabschiebungen von nach Deutschland Geflüchteten nach Afghanistan. Unterstützt wurde diese Forderungen durch die Einschätzung der Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann vom Max Planck Institut für ethnologische Forschung Halle (Saale). Deshalb erklärte AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker: „Die AWO fordert für nach Deutschland geflohene Afghaninnen und Afghanen einen sofortigen Abschiebestopp und stattdessen einen gleichberechtigten Zugang zu Integrationsangeboten.“

Die Bundeskonferenz der AWO hatte bereits im November 2016 den Antrag Verbesserung der rechtlichen Situation von Afghan*innen in Deutschland beschlossen. Die Teilnehmenden der AWO Jahrestagung bekräftigten diesen Beschluss. Diskutiert wurden zudem verschiedene Wege und Möglichkeiten, wie sich die Flüchtlingssozialarbeitenden entsprechend ihrem beruflichen Selbstverständnis an der Seite der hilfesuchenden Menschen für deren Interessen und Würde einsetzen und für menschengerechte und sozialverträgliche Strukturen eintreten können.

Ein Highlight der Tagung war der kenntnisreiche Vortrag der Afghanistan-Spezialistin Friederike Stahlmann vom Max Planck Institut für ethnologische Forschung Halle (Saale). Sie ist seit 2002 spezialisiert auf religiöse, soziale und rechtliche Fragen in Afghanistan und hat als Mitglied der International Max Planck Research School on Retaliation, Mediation and Punishment lange in Afghanistan geforscht. Stahlmann  arbeitet als Gutachterin in Asylverfahren und vermochte auf Grund ihrer langjährigen Beobachtung der Verhältnisse und umfassenden Kenntnisse eine aktuelle Grundlage für die Einschätzung der Chancen auf Überlebenssicherung von Rückkehrenden zu geben. Die Annahme des Bundesamtes für Migration, dass zumindest alleinstehende junge gesunde Männer und kinderlose Paare ihr Überleben aus eigener Kraft sichern können, teilt sie nicht. Auch enge familiäre Beziehungen böten keineswegs vertrauensvolle oder verlässliche Hilfsstrukturen. Traditionelle Formen der Streitschlichtung oder die soziale Kontrolle von Normen würden nicht funktionieren, berichtete die Afghanistan-Spezialistin.

Im Rahmen der AWO Jahrestagung beschäftigten sich gestern und heute Flüchtlingssozialarbeiter der AWO vor allem mit den strukturellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. Aus dem gesamten Bundesgebiet berichteten sie von den Herausforderungen ihrer täglichen Arbeit in den Einrichtungen und Diensten der AWO. „Gerade hinter den Beschäftigen der Flüchtlingssozialarbeit liegt ein Jahr mit vielen Herausforderungen. Die Jahrestagung gibt ihnen eine gute Möglichkeit, sich zu den wesentlichen aktuellen Fragen der Flüchtlingssozialarbeit auszutauschen“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Im Fokus der diesjährigen Tagung stand die Situation der afghanischen Geflüchteten.