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Pflegekräfte-Anwerbung ist keine Lösung

02.06.2015 Gestern veröffentlichte die  Bertelsmann-Stiftung die Studie „Internationale Fachkräfterekrutierung in der deutschen Pflegebranche“. Diese zeigt, dass nur ein Sechstel der im  Pflegebereich tätigen Unternehmen Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren, obwohl fast zwei Drittel der Firmen Vakanzen haben. Dazu erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker: „Die Studie liefert interessante Zahlen zur Anwerbung von Pflegekräften und weist zugleich auf entscheidende Hürden und Hindernisse hin.

Allerdings wird  der wichtige Aspekt der sozialen Bedingungen der Anwerbung völlig ignoriert. Jede erfolgreiche Anwerbung bedeutet nämlich auch, dass in den Herkunftsländern diese Fachkräfte fehlen werden. Im schlimmsten Fall wird damit das Fachkräfteproblem nicht gelöst, sondern ins Ausland verlagert. Die hiesigen Unternehmen und Einrichtungen tragen aber auch deshalb eine hohe soziale Verantwortung, da ein derartiges Engagement weit über das hinausgeht, was es heißt einfach einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

Die Fachkräfte aus dem Ausland benötigen oft eine Sprachförderung, eine kulturelle Vorbereitung und eine Willkommenskultur an ihrem Arbeitsplatz und in ihrer Umgebung. Hier geht es darum, den Menschen zu empfangen und nicht nur eine Arbeitskraft. Nur wenn ein Träger dies leisten kann, kann dies ein richtiger Weg zur Minderung des Fachkräftemangels sein. Das zögerliche Verhalten der Einrichtungen und Betriebe spiegelt somit ein Bewusstsein für die hohe Verantwortung gegenüber den ausländischen Fachkräften und den zu Pflegenden wider. Anwerbung kann nur einen Beitrag für eine gute Qualität in der Pflege leisten, wenn sie verantwortlich erfolgt. Grundsätzlich gilt aber auch für angeworbene Pflegekräfte, dass sie nur dann dauerhaft in der Pflege tätig sein werden, wenn diese sowohl von der Bezahlung als auch von den Arbeitsbedingungen her ein attraktives Arbeitsfeld ist.

Die AWO fordert vielmehr die Rahmenbedingungen in der Pflege grundsätzlich zu verbessern. Dann könnten auch vermehrt Menschen  ausländischer Herkunft, die bereits in Deutschland leben, für eine Tätigkeit in der Pflege gewonnen werden. Die AWO weist darüber hinaus darauf hin, dass die Anwerbung von Fachkräften und Auszubildenden nur ein kleiner Baustein zu Beseitigung  des Fachkräftemangels sein kann. Zukünftig werden voraussichtlich 100.000 bis 200.000 Vollzeitstellen in der Pflege fehlen, Anwerbung wird nur einen kleinen Teil decken können.“